Büro Friedrich Schindler

Leih- und Schenkgemeinschaft

Grundidee und Funktionsweise
Gemeinnützige Einrichtungen wie Vereine und Initiativen werden vorwiegend durch
Zuwendungen, Schenkungen und Beiträge ihrer Mitglieder und Förderer finanziert. Diese
Beträge und Spenden fließen üblicherweise in Form von regelmäßigen, kleineren Beiträgen.
Durch eine Leihgemeinschaft ist es möglich, solche zweckgebundene Spenden vorzufinan-
zieren, wenn sofort ein größerer Betrag (z.B. für ein Bauvorhaben) bereitgestellt werden
muss. Trotz einer Beschränkung des einzelnen Leihgemeinschaftskredits auf höchstens EUR
3.000, können bei größeren Initiativen auf diese Weise auch hohe Beträge erbracht werden.
Einer Leihgemeinschaft sollten höchstens 30 Leihgemeinschaftsmitglieder angehören und
der Gesamtdarlehensbetrag EUR 50.000 möglichst nicht übersteigen. 

Das Modell im Detail: Interessierte Bürger erklären sich bereit, für die Sanierung eines klei-
neren Bildungshauses monatlich EUR 50 über einen Zeitraum von max. 5 Jahren – also über
insgesamt EUR 3.000 – abzugeben. Alle diese Förderer schließen sich zu einer Leihgemein-
schaft im Sinne einer Solidargemeinschaft zusammen und beantragen (jeder für sich) z.B.
bei der GLS Gemeinschaftsbank einen Kleinkredit über ihre jeweilige Summe. Diese Kredit-
beträge werden gebündelt und dem begünstigten Projekt die zugesagten Summen in
einem Betrag zum Projektbeginn ausbezahlt.

Dieses »Eigenkapital« des Projektes kann dann auch als Nachweis für die Einwerbung von
weiteren Zuschüssen genutzt werden.

Kostendeckungsumlage: Kreditnehmern – also die Vereine und Initiativen – die nach Auf-
fassung der GLS gemeinnützige Aufgaben wahrnehmen (unabhängig von einer steuerlichen
Anerkennung der Gemeinnützigkeit), werden – soweit der Bank entsprechende zinslose /zins-
vergünstigte Einlagen zur Verfügung stehen – keine Zinsen berechnet, sondern mit einer
Kostendeckungsumlage belastet. Die Kostendeckungsumlage setzt sich zusammen aus den
geringen Refinanzierungskosten, den anteiligen Personal- und Sachaufwendungen, den
Wertberichtigungen (auch für latente Risiken) und den Rücklagen, die für die Bank benötigt
werden. Die Kostendeckungsumlage betrug in den letzten Jahren zwischen 2,5% und
4,5% und wird auf den jeweils aktuellen Kreditsaldo berechnet.

Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Kredittilgung wird von allen Mitgliedern der Leihgemeinschaft übernommen, wobei
jedes Mitglied seinen eigenen Kredit zurückzahlt und zusätzlich gesamtschuldnerisch für
alle anderen Kredite der Leihgemeinschaft haftet, bis diese vollständig getilgt sind. Die
Höhe dieser zusätzlichen Haftung bleibt auf den eigenen Kreditbetrag beschränkt.

Organisatorische Rahmenbedingungen
Aus Gründen einer praktikablen Kreditabwicklung wählt die Leihgemeinschaft in Selbs
verwaltung einen Bevollmächtigten, der die Solidargemeinschaft in allen Belangen gegen
über der GLS vertritt und zur reibungslosen Zahlungsabwicklung ein Sonderkonto für di
Leihgemeinschaft einrichtet und führt.
Tipp: Um einen partnerschaftlichen Umgang zu sichern, sollten Leihgemeinschaften ein
überschaubare Größe haben, da durch den persönlichen Kontakt gewährleistet werde
kann, dass bei plötzlich auftretenden Krisen einzelner die Gruppe dies auffangen kann.

 

Die Ökologische Lebens- und Arbeitsgemeinschaft (ÖkoLeA) Klosterdorf e.V. ist eine Kommune in
Märkisch-Oderland bei Strausberg (Brandenburg). Im Jahr 1993 wurde ein großer Bauernhof mit
Gartenland gekauft, wo heute 25 – 30 Erwachsene und Kinder wohnen. Im ehemaligen Kuhstall
entstand 2000/2001 ein Seminarbereich mit Küche und Sanitäreinrichtungen sowie eine Bio-
Holzofenbäckerei. 2005 kamen eine Gästeetage, ein Atelier und ein Ladencafé dazu. Das Laden-
café ist zur Zeit Klosterdorfs einzige Einkaufsstätte und entwickelt sich zum beliebten Treffpunkt.
Das Instrument der Schenk- und Leihgesellschaft fand in dieser Entwicklung bereits drei Mal An-
wendung. Die Erste wurde beim Kauf des Grundstücks gegründet. Die Zweite entstand für den
Ausbau des Kuhstalls zu Seminarräumen. 15 Mitglieder, Freunde und Verwandte brachten jeweils
500 – 5000 Euro ein. Die Dritte schloss sich direkt an für die Erweiterung der Seminarräume und
den Bau der Gästeetage des Bildungshauses und läuft nach 5jähriger Dauer Ende 2009 aus.
Sie brachte die Eigenmittel für den über LEADER+ geförderten Ausbau der Gästeetage.
Ausfälle und gravierende Unregelmäßigkeiten bei der Finanzabwicklung der Schenk- und Leih-
gesellschaft gab es in beiden Fällen nicht. Die Vorsitzende des Vereins, Brigitte Rücker, führt dies
auf zwei wesentliche Faktoren zurück. Durch die enge Verbindung der Geldgeber mit dem
Trägeranliegen besteht ein sehr stabiles Motiv und durch die Vorgabe eines Dauerauftrages über
die regelmäßig abzuführende Summe auch eine organisatorische Erleichterung für beide Seiten.

Aktiengesellschaften (AG)

Grundidee und FunktionsweiseDie AG besitzt ein in Aktien zerlegtes Grundkapital, wobei die Aktien die anteiligen Beträgeder Gesellschafter (Aktionäre) das Grundkapital darstellen. Das in Aktien zerlegte Grund-kapital der AG beträgt mindestens EUR 50.000, unabhängig davon, ob der Kapitalmarkt inAnspruch genommen wird. Das Kapital kann in Form von Bar- oder Sacheinlagen erbrachtwerden. Bei Sacheinlagen ist der Nennbetrag der für die Einlage zu gewährenden Aktien inder Satzung festzulegen. Der Nennbetrag einer Aktie beträgt mindestens einen Euro.

Eine Aktie ist nach dem deutschen Aktiengesetz (AktG):
     • ein Wertpapier, welches den Anteil an einer Gesellschaft (auch  Anteilsschein) verbrieft.
     • der Inbegriff der Rechte und Pflichten derjenigen, welche ihre Einlagen auf die Aktie
im Sinne von Nr. 1 geleistet haben (Aktionär) gegenüber der Gesellschaft (etwa §§ 11,
12, 64 AktG,  vergleichbar mit dem Geschäftsanteil an einer GmbH).

Aktien können an einer Wertpapierbörse oder außerhalb gehandelt werden.

Unterschieden wird zwischen Stammaktien und Vorzugsaktien: Die Stammaktie ist eine
Aktie, die dem Inhaber die für den Normalfall vorgesehenen Rechte gewährt. Die Vorzugs-
aktien (Dividendenvorzugsaktien), haben im Gegensatz zu den Stammaktien kein Stimm-
recht. Allerdings besitzen sie einen »Vorzug«: in der Regel eine höhere Dividende und einen
Nachzahlungsanspruch bei Dividendenausfall.

Des Weiteren werden Aktien nach Übertragbarkeit unterschieden: Inhaberaktien sind
Inhaberpapiere, d. h. derjenige, der die Aktien in den Händen hält, kann die Rechte daraus
geltend machen.

Bei Namensaktien ist der Inhaber namentlich im Aktienregister einzutragen. Nur dieser gilt
gegenüber der Gesellschaft als Aktionär. Namensaktien bieten die Möglichkeit, bei Grün-
dung der Gesellschaft nur einen Teil des Aktienkapitals einzuzahlen oder Sacheinlagen über
einen längeren Zeitraum in die Gesellschaft einzubringen.

Eine Sonderform der Namensaktie stellt die vinkulierte Namensaktie dar. Hier bedarf es zur
Übertragung zusätzlich der Zustimmung der Gesellschaft. Die Vinkulierung von Namen-
saktien wird üblicherweise eingesetzt, um unerwünschte Aktionäre (beispielsweise
Konkurrenten) vom Kauf der Aktien auszuschließen.

Bei der Gründung einer AG wird festgelegt, in wie viele Aktien das Grundkapital aufgeteilt
wird. Diese Aktien können dann in einem Buch verbrieft sein oder als effektive Stücke
gedruckt und herausgegeben werden.

Das Unternehmen kann die Aktionäre über Dividenden am Gewinn des Unternehmens
beteiligen. Die Dividende ist eine pro Aktie geleistete Zahlung an die Besitzer der Aktien. Die
Höhe der Dividende wird vom Vorstand vorgeschlagen und von der Hauptversammlung des
Unternehmens beschlossen. Ein Investment in Aktien ist grundsätzlich mit dem Risiko des
Totalverlustes des eingesetzten Kapitals behaftet.

Der Betrieb ist auf Wachstumskurs. Aus der Hofgemeinschaft haben sich inzwischen sechs selbständige Unternehmen gegründet: Gärtnerei Apfeltraum, Apfeltraum Feldbau, Apfeltraum Tierhaltung, Imkerei Apfeltraum, Lieferdienst »Abokiste Apfeltraum«. Je nach Saison leben und arbeiten 15-20 Menschen auf dem Hof. Um einen erneuten Ausbau finanzieren zu können, haben 8 Personen und eine GbR (Eigentümer wie Kunden des Demeter-Betriebes »Apfeltraum«) im Dezember 2005 eine (kleine) Aktiengesellschaft gegründet. Sie bieten Aktien im Wert von EUR 150.000 an, die als Namensaktien zu einem Nennwert von EUR 100 gekauft werden können. Die Aktien werden mit folgender Botschaft verkauft: »Wir wollen Ihnen einen modernen Weg anbieten, sich für eine fortschrittliche Landwirtschaft zu engagieren. Anders als bei einer Spende, geben Sie das Aktienkapital nicht weg. Im Gegenteil, die Aktionäre werden zu Mitbesitzern des Unternehmens«.

Das Finanzierungsmodell
Gründung einer (kleinen) Aktiengesellschaft:
   • Grundkapital EUR 150.000 in Namensaktie à EUR 100
   • 25% des Kapitals = EUR 37.500 zur Gründung
   • Namensaktie = nur mit Zustimmung übertragbar
   • 8 Gründungsaktionäre & eine GbR

Es werden keine Dividenden ausbezahlt, sondern in anderer Form ein Nutzen organisiert:
     • Mitunternehmer sind beteilligt an unternehmerischen Entscheidungen.
     • Mitbesitzer haben vorrangigen Zugang zu Ferienwohnungen oder Veranstaltungsräumen.
     • Ideelle Werte: Schaffung von neuen Arbeits- und Ausbildungsplätzen.

Kommunikationstrategien des Aktienverkaufs:
     • Informationsflyer in die Abokisten und im Hofladen.
     • Infostand auf den Berliner Märkten.
     • Infonachmittage auf dem Hof.
     • Anzeigen und Artikel in Zeitschriften.

Vorliegende Erfahrungen:
Die Rechtsform AG ist aufwändiger als Spenden über einen Verein oder Anlagen über eine
Genossenschaft zu organisieren. Notwendige Beurteilungen haben mehrere tausend Euro
Gründungskosten entstehen lassen.

Privat Öffentliche Partnerschaften

Grundidee und Funktionsweise
Public Privat Partnership (PPP) – Modelle werden im Feld der Stadt- und Regionalent-
wicklung, im Gegensatz zum Sprachgebrauch am Kapitalmarkt, breiter gesehen. Mindestens
drei Differenzierungen müssen zum besseren Gesamtverständnis festgehalten werden:

• PPP-Großprojekte zwischen Kommunen und privaten Kapitalgebern. Hier geht es um
Kapitalerschließung, Renditen sowie effiziente Umsetzung der Bau- und Betriebsphase.

• PPP-Projekte, die im Rahmen eines veränderten bürgerschaftlichen Verständnisses
entstehen. Beispiele dafür sind: Bürger und Kommune betreiben gemeinsam einen
Dorfladen, bauen eine Bürgerstiftung auf oder sichern die Sanierung eines denkmal-
geschützten Gebäudes. PPP-Kooperationen in der ländlichen Entwicklung entstehen
auch aufgrund der EU-Vorgabe, dass eine öffentliche Kofinanzierung bei den jeweiligen
Projekten nachzuweisen ist. In manchen Bundesländern bedeutet dies, dass kommunale
Mittel zu erschließen sind.

• PPP-Organisationen als Steuerungs- und Umsetzungsträger in der Regionalentwicklung,
in den Kommunen, Wirtschaft und Bürgerschaft zusammenarbeiten. Diese so genann-
ten intermediären Organisationen sind Teil eines kooperativen strategischen Ansatzes.

Regionale Finanzierungssysteme

Sehr schwierig und aufwändig sind regionale Finanzierungssysteme aufzubauen.
Gelingt dies, so ist der Mehrwert auch für wesentlich mehr Nutzer zu organisieren. Die
nachfolgenden Instrumente funktionieren nach zwei verschiedenen Prinzipien:

• Öffentliches Kapital und/oder privates Kapital wird in Form eines Fonds oder eines
Stiftungskapitals gesammelt. Über Darlehen, Bürgschaften und
zum Teil Zuschüsse erfolgen dann die Förderungen der verschiedenen Projekte.

• Einführung einer Komplementärwährung, die neben dem offiziellen Geld als Tausch-
mittel akzeptiert wird. Ziel dieser Systeme ist es, bestehende soziale, ökonomische
und ökologische Ungleichgewichte zu kompensieren und neue Wertschöpfung
durch räumlich definierte Wirtschaftskreisläufe zu schaffen.